
Im Mai ging es zuerst für die Spanisch-Schüler*innen der neunten Klassen nach Madrid, ehe es im Juni den Rückbesuch der Austauschschüler*innen in Berlin gab. Von ihren Erlebnissen während beider Zeiträume schreiben Louisa und Marla aus der 9s1:
Unser Austausch nach Spanien begann zwar damit, dass der BER streikte, jedoch war die schlussendliche Zeit dann doch unvergesslich. Das Wochenende vor dem eigentlichen Abflugtermin war bei den meisten bereits mit dem Packen gefüllt: Den Koffer vom Regal runterholen, Last-Minute Gastgeschenke kaufen und noch einmal das Lieblingsessen zu Hause essen. Dienstag: Der letzte Tag Schule – und direkt nach dem Unterricht bekamen alle die E-Mail: „Der Flug fällt aus“. Wir konnten es erst gar nicht glauben. Da viele von uns schon Nummern, Social-Media-Accounts und E-Mail-Adressen von den jeweiligen Austauschpartner*innen eingespeichert hatten, standen wir erst so im Kontakt und es wurde sich gemeinsam aufgeregt. Zum Glück konnten wir uns aber ganz bald schon wieder freuen, denn dank Herrn Jauris gab es schnell neue Abflug-Termine. Am 6. Mai ging es dann endlich los!
Früh morgens haben wir uns mit wieder eingepackten Gastgeschenken und vollen Koffern am Flughafen getroffen. Der Flug verlief reibungslos. Wir wurden von Alvaro, dem Lehrer der Spanier*innen, abgeholt und anschließend zur Schule Isabel la catolica gebracht. Vor dem ersten Treffen war jeder erst einmal sehr nervös. Wie soll ich meine Austauchschülerin begrüßen? Was kann ich am besten sagen? Eine Umarmung? Vielleicht auch lieber nur ein „¡Hola! ¿Qué tal?“ Oder küssen sich die Spanier*innen nicht immer links und rechts auf die Wange? Aber schlussendlich konnte man bei niemandem eine unangenehme Situation sehen. Denn die Begrüßung hat sich wie von selbst ergeben. Nach ein paar kurzen Kennenlernspielen nahmen unsere Austauschschüler*innen uns mit nach Hause und wir lernten zum ersten Mal die Familien kennen. Die Erfahrungen bei diesem ersten Vorstellen waren zwar bei jedem individuell, aber trotzdem gab es für die meisten erstmal eine Wohnungs-Tour und Essen.

Das Leben in diesen Familien war natürlich auch sehr unterschiedlich. Es gab Familien, die darauf Wert gelegt haben, dem jeweiligen Gastkind möglichst viele spanische Traditionen und Lebensweisen nahezulegen, obwohl sie diese vielleicht selbst gar nicht immer so auslebten. Andere Familien wiederum haben das Gastkind einfach an deren üblichen Leben teilhaben lassen. Nicht viele Elternteile konnten gut oder überhaupt Englisch, wodurch man aber auch lernen konnte. Sie haben fast immer versucht „einfaches“ Spanisch zu sprechen und sich beim Erklären, Erzählen und auch Zuhören Zeit gelassen. Die Kommunikation unter den Austauschpartner*innen war größtenteils englisch geprägt, aber trotzdem sprachen wir in der Zeit in Spanien auch durchaus viel Spanisch, beispielsweise aufgrund dieser fehlenden Englischkenntnisse. Man konnte gut daran arbeiten, sich in Alltagssituationen auf Spanisch zu verständigen und die Angst vorm Fehler machen zu verringern.
Ein üblicher Tag in Madrid begann damit, zu der jeweilig gewohnten Zeit der Austauschpartner*innen aufzustehen, sich fertig zu machen, ggf. zu frühstücken und schließlich zur Schule zu gehen. Dort angekommen wurden wir von unseren Spanier*innen zum jeweiligen Treffpunkt gebracht. Dann begaben wir uns mit unseren Lehrer*innen auf den Weg zu unseren täglichen Aktivitäten. Wir haben Stadt-Rundführungen bekommen, waren in Museen, im Stadion von Real Madrid und in einem Café zum traditionellen Churros essen, hatten sehr viel Spaß beim Boot fahren und immer sehr viel Freizeit zum selbst erkunden, essen und shoppen gehen. Zurück in der Schule, trafen wir wieder auf unsere Spanier*innen und haben uns von unseren Tagen erzählt. Danach ging man noch Hause oder direkt in Malls, Restaurants, Parks oder zu anderen Austauschschüler*innen nach Hause. Am späten Nachmittag waren aber eigentlich immer alle deutschen und spanischen Schüler*innen zusammen. In Berlin wiederum war man eher in Kleingruppen aus Deutschen und Spaniern unterwegs.

In Berlin sowie in Madrid gab es gemeinsame Partys, Mall-Besuche und Filmabende bei Freunden. Durch diese Kleingruppen entstanden unter Deutschen und Spaniern auch neue Freundschaften. Man hat durch die Freunde der jeweiligen Austauschpartner*innen wiederum deren deutsche Austauschschüler*innen kennengelernt. So lernte man neue Schüler*innen aus Parallelklassen kennen und schloss Freundschaften.
Was man aber vor allem mitnehmen kann sind selbstverständlich die Kultur und die Lebensweisen, die wir kennengelernt haben und die Erfahrungen, die wir machen konnten. Dazu gehörten z. B. das Stadtleben, die Sitten in den jeweiligen Familien, die Regeln in der Schule und generell alles andere, was unterschiedlich zu Berlin und interessant war. In der Stadt fiel uns erst einmal nicht anderes auf. Die Straßen waren voll mit Autos und Bussen, E-Rollern und Bahnen. Was wir erst später wahrnahmen: Wie wenige Menschen man mit Fahrrädern sah. Manche Austauschschüler*innen erzählten uns auch, dass in ihrer Familie nicht einmal jemand ein Fahrrad besäße. Einen weiteren Unterschied gab es bei den Wohnungen. Diese waren oft sehr klein. Zwar hatten sie 3 Schlafzimmer, 2 Bäder und vielleicht sogar einen Balkon, aber trotzdem waren die Flure eng und die Zimmer klein.
Fast jeder ist sich des typisch sehr spät stattfindenden Abendessens in Spanien bewusst. Wie wir mitbekamen folgt daraus aber auch, dass die Stadt noch sehr lange, also bis spät in die Nacht, sehr belebt ist. Es war also typisch, dass das Ende der „Ausgehzeit“ für uns um 22 Uhr war, damit man noch rechtzeitig zum Abendessen zu Hause war. Um Mitternacht konnte man noch hören, wie im Wohnzimmer der Fernseher an war und einem wurde erklärt dass man jeder Zeit gerne an den Kühlschrank gehen könne, da jeder daran gewohnt sei, um 3 Uhr Nachts noch jemanden in der Küche zu hören. Ein Punkt, den wir sehr interessant fanden, waren die Regeln in der Schule. Vieles ähnelte den Regeln an unserer Schule, wie z. B. das Handy-Verbot. Etwas, was man aber schnell merken konnte, war, dass die Spanier*innen ihre Lehrer nicht siezten, teilweise benutzten sie sogar Spitznamen für sie. Auch beim Hospitieren in unterschiedlichen Fächern konnte man merken, wie die Schüler*innen sich dadurch gegenüber den Lehrern gleichgestellt und befreundet benahmen. Eine Sache, die wir außerdem alle mitnehmen konnten, war die bewiesene „Deutsche Pünktlichkeit“. Nicht nur kamen die Spanier täglich Stunden zu spät, sondern wurden wir auch ständig erst spontan informiert, so dass man dann keine Zeit mehr hatte noch einmal nach Hause zu gehen und zu warten, sondern 30 Minuten an der U-Bahn stehen musste.
Aber trotz verlegter Flüge, unpünktlicher Spanier, regnerischem Wetter in Spanien und teils mangelnder Sprachkenntnisse hatten wir eine unvergessliche Zeit und werden uns immer freudig an die Zeit erinnern. Wir hatten die Möglichkeit, praktisch ein vollkommen anderes Leben zu leben, die Kultur von Spanien kennenzulernen und auch neue Menschen zu treffen und Freundschaften zu schließen. Einige haben in ihren Austauschschüler*innen wirkliche Freund*innen gefunden und schreiben jetzt im Nachhinein noch über aktuelle Ereignisse. Denn eine ganze Woche in einer anderen Familie leben, lässt einen die Austauschpartner*innen dann doch vermissen.
Also sagen wir ¡Adiós Madrid! – Danke für diesen Austausch!
Louisa D., Marla K. (9s1)