Mit dieser Einsicht hat einer der Schüler den treffendsten Titel für unser gemeinsames Stück gefunden.

Im November 2013 standen wir da mit leeren Händen und vollen Köpfen, in denen Schlagwörter wie Energie, Klimawandel, Klimaschutz, Umweltschutz, alternative Energien, Umweltkatastrophen etc. herumschwirrten und zu einem Theaterstück werden sollten.
Alle hatten Ideen, alle haben ihre Ideen als Plot aufgeschrieben, und wir hatten nun die schwierige Aufgabe, die oder den besten auszuwählen.
Die Entscheidung fiel auf Jasmins Geschichte, in der die Sonne, entsetzt vom umweltzerstörenden Verhalten der Menschen, zutiefst beleidigt den Rückzug antritt, um ihnen eine Lehre zu erteilen und sie davon zu überzeugen, dass sie achtsam umgehen müssen mit allem Naturgegebenen. Erst wenn die Menschen das gelernt haben, haben sie eine Chance, den größten Schaden noch abzuwenden und die Sonne zurückzubekommen.

„Aber wir sind doch hier nicht im Kindergarten!“
„Ich will doch in der Oberstufe kein Märchen spielen, sondern was Richtiges!“
„Das kapiert doch keiner, das ist doch lächerlich!“
„Und dann auch noch ohne Sprechen? Das ist doch öde!“
… so einzelne Schüler, die sich überstimmt fühlten und das effektvolle, große, echte Theater machen wollten.

Mit Beginn des gemeinsamen Inszenierens haben auch sie sehr schnell gesehen,
dass Weniger Mehr sein kann.
Die Basisszenen wurden gebaut: Sommerlaune, Umweltzerstörung, Auswirkungen der Zerstörung, Rückzug der Sonne, Erfrieren der Menschen, Einsicht und Initiative, Rückkehr der Sonne.
Diese SzenenThemen sind zu unserer Kulisse geworden, in die dann noch kleine Geschichten eingeflochten wurden, um den einzelnen Darstellern zwischenmenschliche Verbindungen zu geben und positive und negative Gefühle nachvollziehbar zu machen.
Von da an war das Gesamtbild wichtig: die Farbgebung der Szene, das Tempo und die Stimmung der Szene, die Symbolik der Szenenteile.
Die Schüler des Leistungskurses Musik haben bei den Proben zugeschaut und einen Eindruck davon bekommen, wie die Musik sein müsste, die sie für die jeweiligen Szenen komponieren sollten.
Die DarstellerInnen sind im Nachhinein beeindruckt davon, mit wieviel Einfühlungsvermögen unsere Musiker passende Melodien und Rhythmen erarbeitet haben und stellen fest, dass tatsächlich auch Musik Sprache ersetzen kann. Mit Hilfe des Tonstudios im FEZ Wuhlheide haben wir dann gemeinsam Film und Musik koordiniert.
Dass das Thema Klimawandel bei den SchülerInnen nachhaltig im Bewusstsein bleiben wird, ist zu hoffen, auch wenn es nur ein kleiner künstlerischer Gedankenanstoß ist, den wir mit unserer Arbeit hier auslösen wollen.
Aber: mal bewusst so lange duschen, bis kein Wasser mehr da ist, den Müll bewusst in der Gegend herumwerfen und sie mit voller Absicht mit Chemie vollsprühen, kann vielleicht bewirken, dass man sich bei der nächsten unbedachten Handlung im Alltag an genau dieses erinnert und ... es bleiben lässt.


Susanne Leuchtenberger